Mittwoch, 16. Februar 2022

Jüdisches Museum Augsburg zeigt „Ende der Zeitzeugenschaft?“



"Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich einen erwachsenen Mann - einen Löwen von einem Mann!, den Kommerzienrat Steinfeld! - weinen gesehen hab. Und das vergesse ich nie." So berichtet George Sturm von der letzten Erinnerung an seinen Grossvater. Sie stammt aus dem Jahr 1939, als Sturm als kleiner Junge samt seinen Eltern die Heimatstadt Augsburg gen USA verliess. Die jüdische Familie entkam gerade noch rechtzeitig dem Morden der Nazis.

von Christopher Beschnitt

Schilderungen wie die von George Sturm wird es bald nicht mehr aus erster Hand geben. Die Menschen, die das Grauen der NS-Herrschaft noch leibhaftig erlebt haben, sind bald nicht mehr da. Das Jüdische Museum Augsburg Schwaben zeigt deshalb nun eine Sonderausstellung mit dem Titel "Ende der Zeitzeugenschaft?". Die weniger auf Exponate als auf Multimedialität setzende Schau - eine Kooperation mit dem Jüdischen Museum Hohenems und der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg - läuft bis zum 5. Juni in der ehemaligen Synagoge in Augsburg-Kriegshaber. Dort lässt sich auch George Sturms Beitrag verfolgen. Von ihm und einigen weiteren Holocaust-Überlebenden gibt es Videos zu sehen.

Klar: Solche Aufnahmen gehören zu den wichtigsten dauerhaften Möglichkeiten des Erinnerns an die Schoah. Sie werden bleiben über den Tod der Zeitzeugen hinaus. Doch was mag diese Videos in Zukunft ergänzen? Bevor die Präsentation darauf eingeht, befasst sie sich mit den Anfängen des Gedenkens - und mit dessen Missbrauch.

Denn die Erzählungen jüdischer NS-Opfer wurden von Anfang an auch politisch instrumentalisiert, wie im Museum zu lesen ist. "In den USA kreist die Erinnerung an den Holocaust vor allem um die Rolle der Amerikaner als Befreier Europas und um den moralischen Sieg des Individuums", heisst es zum Umgang mit dem Thema in der Nachkriegszeit. "Das Staatsnarrativ in den sozialistischen Ländern konzentriert sich hingegen auf Erzählungen vom kollektiven Kampf, Widerstand und Sieg über den Faschismus." Zudem hätten sich Menschen immer wieder fälschlich als Zeitzeugen ausgegeben. Die Gründe: etwa fehlerhafte Erinnerungen, psychische Probleme, Geltungssucht.

Einer, der tatsächlich den Judenmord der Nazis überstanden hat, ist Noach Flug. Von ihm ist in der Ausstellung folgendes Zitat zu lesen: "Die Erinnerung ist wie das Wasser: Sie ist lebensnotwendig und sie sucht sich ihre eigenen Wege in neue Räume und zu anderen Menschen." https://www.audiatur-online.ch/2022/02/16/juedisches-museum-augsburg-zeigt-ende-der-zeitzeugenschaft/



Islamisierung der Türkei bedroht religiöse Minderheiten

 

Die neue Moschee am Taksim-Platz in Istanbul. Foto IMAGO / Joerg Boethling


von Redaktion Audiatur

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) warnt vor einer "aggressiven Islamisierungspolitik" des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Sollte der geschwächte Präsident den sunnitischen Islam zur Staatsreligion machen, seien Andersgläubige wie etwa die 15 Millionen Aleviten sowie die christliche, jesidische und jüdische Minderheit bedroht, mahnte die GfbV am Mittwoch in Göttingen. 

"Vor dem Hintergrund seiner sinkenden Popularität könnte Präsident Erdogan zu noch härteren Mitteln greifen, um die nächsten Wahlen zu gewinnen", warnte GfbV-Nahostexperte Kamal Sido. Neue Angriffskriege gegen die kurdische Bevölkerung in Syrien oder im Irak seien nicht auszuschliessen. Aus Erdogans Umfeld gebe es gar Bestrebungen, ihn zum Kalifen aller Muslime weltweit zu ernennen. 

Um die politische Opposition zu spalten und das wachsende Vertrauen der Bevölkerung in sie zu brechen, könnte Erdogan mittels einer Provokation einen Ausnahmezustand herbeiführen, hiess es. "Eine mögliche Provokation wäre, den Islam offiziell zur Staatsreligion zu erklären", sagte Sido. Schon jetzt gebe es kaum Freiräume für die 20 Millionen Menschen starke kurdische Bevölkerung. Auch für Angehörige des Alevitentums bestünden dann wenig Aussichten auf Verbesserungen ihrer Lage. Der nicht offiziell anerkannten Religion folgen demnach türkische, kurdische und arabische Gläubige.

Die Einführung des Islam als Staatsreligion in der Türkei wäre auch für die Frauen im Land sowie für die wenigen verbleibenden christlichen, jesidischen und jüdischen Gläubigen verheerend, da sie schon jetzt diskriminiert und benachteiligt würden, so die GfbV. Angehörige dieser religiösen Minderheiten könnten nur noch in Grossstädten wie Istanbul leben, weil sie dort weniger auffielen 

"Erdogan instrumentalisiert die Religion des Islam immer wieder, um konservative Muslime im In- und Ausland für seine machtpolitischen Interessen zu mobilisieren", erklärte Sido. Im Juli 2020 liess er die für die Christenheit heilige Hagia Sophia in eine Moschee umwandeln. Das als Sophienkirche bekannte Bauwerk des damaligen Konstantinopels wurde im Osmanischen Reich ab 1453 für 482 Jahre als Moschee genutzt. Von 1935 bis 2020 war das ikonische Gebäude ein Museum.

Montag, 17. Januar 2022

Auszug aus der Presseerklärung der Veranstalter nach der Kundgebung:

 


Am Samstag während der Kundgebung in Weiden gegen Corona-Leugner, Anti-Coronaspaziergänger und gegen Rechts haben Rechtsradikale, Neonazis und Rechte erneut versucht die Demokratie zu unterwandern.
Die beunruhigten Bürger der Stadt Weiden versuchen, durch den bisher sehr erfolgreichen Bürgerantrag an die Stadt, eine Allgemeinverfügung zu erlassen. Die Unterschriftensammlungen, mit mittlerweile über 450 Unterschriften, verlief bisher weitgehend störungsfrei. Die Petition erhält sehr großen Zuspruch von Bürgern, die froh sind, dass endlich etwas gegen die Radikalisierung gemacht wird. Leider haben während der friedlichen Kundgebung am Samstag Rechte und extrem Rechtsradikale sowie vom Verfassungsschutz beobachtete Neonazis versucht die Petition zu stören und der Verdacht der Manipulation steht im Raum. https://www.oberpfalzecho.de/beitrag/kundgebung-gegen-querdenker-liefert-die-notwendigen-unterschriften-mit-video

Sonntag, 2. Januar 2022

Deutungskampf um den Kapitol-Sturm | ein Jahr danach

 Der


USA: STURM auf das KAPITOL | HD Reportage | Welt Nachrichtensender

Sturm auf das Kapitol in Washington, D.C. am 6. Januar 2021 war ein gewaltsamer Angriff von Anhängern des damals noch amtierenden, aber bereits abgewählten US-Präsidenten Donald Trump auf den Kongress der Vereinigten Staaten. Ihr Ziel war es, den Senat und das Repräsentantenhaus an der förmlichen Bestätigung des Sieges von Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl 2020 zu hindern und damit dem Republikaner Trump verfassungswidrig zur Fortsetzung seiner Präsidentschaft zu verhelfen. Etwa 800 Aufrührern[1] gelang es, ins Kapitol einzudringen und die gemeinsame Sitzung beider Parlamentskammern für mehrere Stunden zu unterbrechen. Infolge der Ereignisse kamen fünf Menschen ums Leben, zahlreiche wurden verletzt. Das Geschehen wird von Strafverfolgungsbehörden wie dem FBI als inländischer Terrorismus und von vielen politischen Beobachtern als Putschversuch gewertet.

Schwarzer Tag für die US-Demokratie: Ein Jahr nach dem Kapitol-Sturm tobt der Kampf um die Deutung

Fabian Erik Schlüter, Paul Handley - Gestern um 14:10

Die Abgeordneten verjagt, die Polizisten überfordert. Ein Jahr nach dem Angriff auf das Parlament diskutieren die USA die Frage: Welche Schuld trägt Trump?

Die angeblich "manipulierten" Wahlen sind die Präsidentschaftswahlen vom 3. November 2020. Der republikanische Amtsinhaber hatte schon Monate vorher erklärt, er könne nur durch massiven Wahlbetrug verlieren. Als er dann tatsächlich Biden unterlag, begann er einen beispiellosen Feldzug gegen seine Wahlniederlage, dessen trauriger und dramatischer Höhepunkt die Kapitol-Erstürmung mit fünf Toten werden sollte.

Trump und seine Gefolgsleute fochten den Ausgang der Wahl mit dutzenden Klagen an, übten Druck auf Wahlverantwortliche in Schlüsselstaaten aus und versuchten sogar Vize-Präsident Mike Pence dazu zu bringen, eine Zertifizierung von Bidens Wahlsieg durch den Kongress zu verhindern. Für den 6. Januar, den Tag der Zertifizierung, beorderte Trump seine Anhänger nach Washington und versprach ihnen, es werde "wild" zugehen.

Und das wurde es. In einer aufpeitschenden Rede prangerte der rechtspopulistische Volkstribun erneut angeblichen Wahlbetrug an und rief seine Zuhörer auf, zum Kapitol zu marschieren und "auf Teufel komm raus" zu kämpfen. In der Folge überrannte ein Mob die Sicherheitskräfte des Parlaments und drang bis in den Plenarsaal des Senats vor. Polizei und Nationalgarde brauchten mehr als sechs Stunden, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen.

In den folgenden Monaten nahm die Polizei hunderte Angreifer fest, eine Reihe von ihnen wurde bereits verurteilt. Das Repräsentantenhaus leitete eine Woche nach der Gewalt ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump ein, das im Senat aber scheiterte, weil eine Mehrheit der republikanischen Senatoren Trump die Treue hielt.

Seit dem Sommer untersucht ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss die Hintergründe. Eine zentrale Frage dabei ist: Wie eng verwoben waren Trumps Versuche, sich an der Macht zu halten, und der brutale Angriff auf das Kapitol?

Der 75-jährige Ex-Präsident hat seine Macht über die Republikaner derweil rasch wieder festigen können. Er liebäugelt mit einer erneuten Präsidentschaftskandidatur 2024 - und verbreitet regelmäßig seine Wahlbetrugsvorwürfe. Dabei wurden die Behauptungen Trumps vielfach widerlegt. Die konservative Basis schert das aber wenig: Umfragen zufolge glauben rund zwei Drittel der Anhänger der Republikaner, Trump sei der Wahlsieg gestohlen worden.

Konservativ regierte Bundesstaaten haben unter Verweis auf angeblichen Wahlbetrug eine Reihe von Reformen beschlossen, die Kritikern zufolge darauf abzielen, tendenziell die Demokraten wählenden Minderheiten wie Afroamerikanern den Gang zur Wahlurne zu erschweren - und den Republikanern einen größeren politischen Einfluss auf die Wahlen zu sichern.

"Der 6. Januar war der Vorbote einer klaren und präsenten Gefahr", sagt der Politikwissenschaftler William Galston von der Denkfabrik Brookings Institution. Vor einem Jahr sei der Versuch gescheitert, die Ergebnisse einer demokratischen Wahl zu kippen. "Wird das in drei Jahren (bei der nächsten Präsidentschaftswahl) auch so verlaufen? Das ist nicht so klar." Diejenigen, die gegen den Ausgang der Wahl 2020 angekämpft hätten, hätten schließlich "viel gelernt". (AFP)

 

Roger Letsch im Spieltrieb 

und er hat noch lange nicht genug?

 Roger Letsch

und sein 

Spiel über die Bande in dem er mit Joe Barrasso einen  republikanischer Senator aus Wyoming das gleiche Spiel spielt  zum Wort und Begriff „Hängt Mike Pence!” .. genüsslich auch sein Versäumnis ungesagt mitdenkt.

'Womit wir mitten im Kulturkampf stecken, der in den USA derzeit tobt. Es wurde also ein „Ruf laut“ und Barrasso „versäumte vier Gelegenheiten“, sich davon

„Hängt Mike Pence!”

zu distanzieren. Das war natürlich über Bande gespielt, Herr Stein, Sie schlauer Fuchs! Denn „versäumt“ hatte der Senator, sich von Trump zu distanzieren, der wiederum keinen Kniefall vor dem Untersuchungskomitee machen will, welches die Vorfälle des 6. Januar zum Thema hat'

 - so zeigt er selbst seine Veranlangung zum Spiel und Todestrieb bewußt in Unbewußten - wie aus einen eher normalen sicher pessemistischen  Text von  Hannes Stein (Welt) und Gegentext Roger Letsch (#Achgut) - der Tod zurückbleibt und eben nicht skandalisiert wird.

https://www.achgut.com/artikel/usa_ein_mann_sieht_hinter_die_finsternis

Dienstag, 28. Dezember 2021

Deutschland und Corona ein schwieriges Verhältnis

 

Unser Gastautor stammt aus Israel. In den vergangenen Monaten wohnte er in Deutschland – und beobachtete, wie hierzulande die Pandemie bekämpft wird. Er sieht vor allem eine entscheidende Schwäche.

Es war eine höchst peinliche Situation. „Wir nehmen keine Kreditkarten“, erklärte mir die Kellnerin in einer Bar in Neukölln, nachdem ich mein Smartphone aus der Tasche gezogen hatte, um mit der Apple-Pay-App zu bezahlen. Ich saß in einer Falle, auf die ich überhaupt nicht vorbereitet war. „Hier in Berlin solltest du lieber Bargeld dabei haben“, erklärte mir der Freund, mit dem ich in der Bar etwas getrunken hatte. Er lud mich auf das Bier ein, er hatte auch keine andere Wahl.

Auch nach Wochen quält mich täglich die Angst, irgendwo ohne Scheine und Münzen festzusitzen. Dass ausgerechnet die mächtigste Volkswirtschaft Europas dem Papiergeld verfallen ist, kann ich immer noch nicht glauben. https://www.welt.de/politik/ausland/plus235852488/Blick-aus-Israel-Warum-Deutschland-bei-Corona-ueberfordert-ist.html

Montag, 26. Juli 2021

Europäischer Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma 2021

 

Onlineveranstaltung
Öffentlich  
Jeder auf und außerhalb von Facebook
Am 2. August erinnern wir an die letzten 4.300 Sinti und Roma, die im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau vor 77 Jahren – trotz ihres erbitterten Widerstands – von der SS ermordet wurden. Erst vor sechs Jahren wurde der 2. August vom Europäischen Parlament als Europäischer Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma anerkannt.
Auch in diesem Jahr ist eine virtuelle Gedenkveranstaltung für die 500.000 ermordeten Sinti und Roma im NS-besetzten Europa Mittelpunkt des Gedenkveranstaltung am 2. August 2021. Die zweisprachige (DE/EN) Veranstaltung wird über Facebook gestreamt. Auf derWebsite https://www.roma-sinti-holocaust-memorial-day.eu/ ist zusätzlich ein breites Informationsangebot (DE/EN/PL/Romanes) zum Thema verfügbar. Durch das virtuelle Gedenken wird darüber hinaus eine hohe Sichtbarkeit der lokalen Gedenkveranstaltungen in ganz Europa ermöglicht.

Donnerstag, 22. April 2021

Materialistische Theorie des Rechts - Ein Vortrag von Prof. Dr. Sonja Buckel (2018)

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"Karl Marx selbst hat sich zwar in seinen Frühschriften mit einzelnen rechtlichen Fragen auseinandergesetzt, aber eine eigenständige Rechtstheorie hat er bekanntlich nicht hinterlassen. In den 1920er-Jahren und im Anschluss an 1968 haben allerdings in seiner Tradition argumentierende Theoretiker Überlegungen für eine solche Theorie entwickelt. In ihrem Buch „Subjektivierung und Kohäsion. Zur Rekonstruktion einer materialistischen Theorie des Rechts“ hat Prof. Dr. Sonja Buckel diese zusammengetragen und einen Vorschlag für eine materialistische Theorie unterbreitet. Die Ergebnisse wird sie in ihrem Vortrag vorstellen. Die Referentin ist Professorin für Politische Theorie an der Universität Kassel, Herausgeberin der Zeitschrift „Kritische Justiz“ und Vorsitzende der Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung."  ... https://www.youtube.com/watch?v=oA7wgmNmBWg